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Position des Paul-Ehrlich-Instituts zum Einsatz von Biosimilars

(Stichwörter: Interchangeability, Substitution)

Ein Biosimilar ist ein biologisches Arzneimittel, das eine Version des Wirkstoffs eines biologischen Arzneimittels enthält, welches bereits in der EU zugelassen wurde, das sogenannte "Referenzarzneimittel" (Originatorprodukt).

Der Ausschuss für Humanarzneimittel CHMP bei der Europäischen Arzneimittelagentur ("European Medicines Agency", EMA) bewertet als Teil des Zulassungsverfahrens, bei dem Nutzen und Risiko eines Arzneimittels gegenübergestellt werden, primär die pharmazeutische Qualität, Wirksamkeit und auch Sicherheit von Biosimilarkandidat und Originatormolekül im direkten Vergleich und nicht die Austauschbarkeit.

Nach derzeitigem Diskussionsstand im CHMP und seinen Arbeitsgruppen können Biosimilars grundsätzlich nach erwiesener Äquivalenz und erfolgter Zulassung so eingesetzt werden wie Originatorprodukte auch. Dies beinhaltet implizit daher sowohl Patienten, die vorher noch keine Therapie mit Biologika erhalten, als auch solche Patienten, die vorher das Originatormolekül bekommen haben. Das Paul-Ehrlich-Institut vertritt den Standpunkt, dass die Therapieentscheidung des Arztes auf wissenschaftlichen Daten beruhen muss, insbesondere zur belegten hochgradigen Vergleichbarkeit eines Biosimilars zu seinem Originatorprodukt und der wissenschaftlichen Plausibilität aller in die Diskussion eingebrachten Daten.

In wie weit der Arzt in die Entscheidung, welches der Medikamente mit vergleichbarem therapeutischem Nutzen/Risiko-Verhältnis verabreicht wird (Originator oder Biosimilarprodukt), einbezogen wird (das heißt, ob automatisch eine Substitution erfolgen darf oder nicht), liegt nicht in der Zuständigkeit der nationalen oder europäischen Behörde, sondern ist eine Frage des nationalen Gesundheitssystems.

Im September 2013 wurden die ersten Biosimilarprodukte (Inflectra und Remsima) eines monoklonalen Antikörperpräparates (Remicade) zugelassen. Es liegen dem Paul-Ehrlich-Institut bis dato keine Meldungen oder Hinweise vor, dass die Umstellung von Patienten von einer Therapie mit dem Infliximab-Referenzprodukt auf eine Therapie mit einem Biosimilarprodukt zu Problemen geführt hätte. Zwar ist die Zeit seit Zulassung kurz; jedoch findet sich eine stetig steigende Anzahl von Publikationen in der wissenschaftlichen Literatur zu anderen Biosimilars, die in die Richtung deuten, dass keine Sicherheitsprobleme bei der Umstellung auftreten.

Seit der europäischen Marktzulassung der Biosimilarprodukte Inflectra und Remsima werden weiterhin Patientendaten im Rahmen von derzeit noch weltweit laufenden klinischen Studien (1) und in standardisierten kontinuierlichen Datensammlungen in Form von Therapieregistern (2) erhoben.

  1. In den beiden Zulassungsstudien wurde nach Erreichen des primären Studienendpunktes (welcher für die EU-Zulassung relevant war) auch die Austauschbarkeit untersucht. Dafür wurden 302/455 Rheumatoide-Arthritispatienten der PLANETRA-Studie in einer Extensionsstudie für weitere 48 Wochen nachbeobachtet. 144/302 Patienten waren geswitched und 158/302 Patienten erhielten weiterhin Infliximab-Biosimilar (Yoo, DH et al. Abstract L1, presented at ACR 2013, San Diego, 29th October, 2013). In der PLANETAS-Studie wurden 174/210 Ankylosing-Spondylitis-Patienten für ein weiteres Jahr nachbeobachtet: 86/174 Patienten wurden auf das Biosimilar umgestellt und 88/ 174 wurden mit dem Biosimilar weiterbehandelt (W. Park, Abstract L15, presented at ACR 2013, San Diego, 29th October, 2013) Die präliminäre Auswertung dieser beiden Studien ergab, dass Wirksamkeit und Sicherheit in dem Maintenance-Arm und in dem Austauscharm vergleichbar erscheinen. Es muss jedoch angemerkt werden, dass diese Untersuchungen nur in Abstractform vorliegen und daher keine tiefergehende wissenschaftliche Bewertung dieser Artikel möglich ist.

    Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden hierbei keine unerwünschten Nebenwirkungen gemeldet.

  2. Zur weiteren Nachbeobachtung werden weitere Daten zu Inflectra und Remsima im deutschen und britischen Rheumaregister ("Rheumatoid Arthritis Observation of Biologic Therapy", RABBIT bzw. "British Society for Rheumatology Biologics Register", BSRBR-RA), und zwei Registrierstudien jeweils in der EU und in Korea erfasst und unterliegen somit der Pharmakovigilanz.

Ein behandelnder Arzt sollte auf jeden Fall gewährleisten, dass Nebenwirkungen, die bei Behandlung mit Remsima oder Inflectra und auch dem Originalprodukt Remicade auftreten mögen, im Rahmen der Pharmakovigilanz auch korrekt gemeldet werden und somit nachverfolgt werden können. In der neuen Pharmakovigilanzrichtlinie (Guideline on good pharmacovigilance practice, Module VI Risk management systems, EMA/873138/2011) ist beschrieben, dass eine eindeutige Dokumentation nur dann vorliegt, wenn die jeweilige Handelsbezeichnung (Remsima, Inflectra oder Remicade ) und möglichst auch die Chargenbezeichnung dokumentiert werden.

Wenn auf dem Rezept nur die Wirkstoffbezeichnung eingetragen ist, sollte der Apotheker sich mit dem behandelnden Arzt besprechen, welche der beiden Substanzen gewünscht wird und ebenfalls das Einhalten der Pharmakovigilanzrichtlinie gewährleisten.

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