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Information des Paul-Ehrlich-Instituts - Europäische Arzneimittelagentur analysiert erneut das Sicherheitsprofil der HPV-Impfstoffe

Update vom 05.11.2015 - Erneute Analyse des Sicherheitsprofils der HPV-Impfstoffe durch die EMA gibt keinen Hinweis auf einen Zusammenhang mit den Syndromen CRPS oder POTS

Am 13. Juli 2015 hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bekannt gegeben, dass eine zusätzliche Überprüfung des Sicherheitsprofils der humanen Papillomavirusimpfstoffe (HPV-Impfstoffe) erfolgen wird, nachdem die EU-Kommission auf Bitte der dänischen Zulassungsbehörde ein sogenanntes Artikel 20-Verfahren gemäß Verordnung (EG) Nr. 726/2004 initiiert hat. Nach Angaben der EMA sind bisher weltweit etwa 72 Millionen Personen mit den in der EU zugelassenen HPV- Impfstoffen geimpft worden. Die Impfstoffe sollen gegen Vorstufen bösartiger Gewebeveränderungen im Genitalbereich sowie Zervixkarzinome und bestimmte andere Malignome schützen. Eine Übersicht der Wirksamkeit der Impfung wurde 2014 von Mitgliedern der Ständigen Impfkommission und des Robert Koch-Instituts veröffentlicht (Delere Y et al [1]).

Die nun angekündigte Analyse wird sich primär auf zwei selten berichtete Syndrome beziehen, das komplexe regionale Schmerzsyndrom (complex regional pain syndrome, CRPS) sowie das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom (postural orthostatic tachycardia syndrome, POTS). Die EMA weist darauf hin, dass diese Analyse nicht das positive Nutzen/ Risiko Profil der HPV-Impfstoffe in Frage stellt und dass das laufende Verfahren keinen Grund darstellt, die aktuellen Impfempfehlungen zu ändern.

Meldungen über ein CRPS und POTS bei jungen Frauen im zeitlichen Zusammenhang mit einer HPV-Impfung wurden bereits zuvor (2013) vom Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der EMA bewertet, ohne dass ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung festgestellt werden konnte. Beide Syndrome werden auch bei nicht geimpften Personen beobachtet. Sie können also rein zufällig im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung auftreten, ohne dass ein ursächlicher Zusammenhang zur Impfung besteht.

Ausgehend von dem auf Bitte der dänischen Zulassungsbehörde von der EU-Kommission initiierten Verfahren wird der PRAC nochmals die gesamte verfügbare wissenschaftliche Datenlage bewerten.

Das CRPS gehört zu den neurologisch-orthopädisch-traumatologischen Erkrankungen. Es kann nach Traumen, Operationen und Entzündungen auftreten und ist durch anhaltende regionale Schmerzen, Störungen der Hautdurchblutung und des Schwitzens, Ödeme, Sensibilitätsstörungen, Störungen der Motorik einschließlich Bewegungseinschränkungen und durch trophische Störungen (an Hautanhangsgebilden wie Haaren und Nägeln, im Bindegewebe, in Muskeln und Knochen) charakterisiert. Langfristig kann es zu einer Dystrophie und Atrophie von Gliedmaßen kommen. Der Pathomechanismus ist weitgehend unbekannt, ein gestörter Heilungsverlauf des betroffenen Gewebes wird vermutet. Eine neuronale Entzündungsreaktion, sowohl peripher als auch zentral, wird angenommen. Bemerkenswert ist, dass das Auftreten eines CRPS und dessen Schweregrad nicht mit dem Schweregrad der Ausgangsverletzung korreliert. Die Prognose ist insgesamt eher als ungünstig anzusehen, vor allem wenn die Symptome erst in einem späteren Stadium dem richtigen Krankheitsbild zugeordnet werden.

Das CRPS wird unterschieden in CRPS Typ I (frühere Bezeichnung: Morbus Sudeck/ sympathische Reflexdystrophie), d.h. ein Trauma ohne Nachweis einer umschriebenen Verletzung peripherer Nerven, und CRPS Typ II, d.h. ein Trauma mit einer nachweisbaren Verletzung peripherer Nerven.

Das POTS ist ein Syndrom der orthostatischen Dysregulation und ist vermutlich auf eine Störung des autonomen Nervensystems zurückzuführen. POTS ist charakterisiert durch ein ausgeprägtes Herzrasen mit einem Anstieg der Herzfrequenz kurz nach dem Aufrichten. Dabei bleibt der Blutdruck weitgehend konstant oder steigt leicht an. Symptome können sein: Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, Schwäche bis hin zur Bewusstlosigkeit, die zum Hinsetzen oder –legen zwingen, worunter die Beschwerden rasch nachlassen.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat in seiner Nebenwirkungsdatenbank eine aktuelle Recherche zu Meldungen eines CRPS bzw. eines POTS im zeitlichen Zusammenhang mit den beiden in Deutschland verfügbaren HPV-Impfstoffen Gardasil und Cervarix jeweils seit der Zulassung bis zum Juli 2015 durchgeführt. Die Recherche ergab keine Meldung eines den Fallkriterien entsprechenden POTS (Freeman R et al [2]). Die Datenbankabfrage ergab vier Meldungen, in denen über ein CRPS berichtet wurde. Alle Meldungen betrafen den Impfstoff Gardasil. Eine Meldung bezieht sich auf einen Literaturbericht (Haug V et al [3]). Vor dem Hintergrund der in den Niederlanden bei Mädchen und Frauen im Alter von 9- 29 Jahren ermittelten Inzidenz eines CRPS I von 14,9-28,0 auf 100.000 Personenjahre (de Mos M et al [4]) und der vom PEI freigebenden Impfstoffdosen sind die Meldungen eines CRPS aus Deutschland im zeitlichen Zusammenhang mit einer HPV Impfung nicht als ungewöhnlich häufig anzusehen.

[1] Delere Y et al: The Efficacy and Duration of Vaccine Protection Against human Papillomavirus, Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 584–91

[2] Freeman R et al : Consensus statement on the definition of orthostatic hypotension, neuronaly mediated syncope and the postural tachycadia syndrome. Auton Neuroscience 2011; Pubmed 2139307021431947

[3] Haug V et al : Complex regional pain syndrome I following vaccination against human papillomavirus. Neuropediatrics 2013: 44-PS23_1083

[4] de Mos M et al : Medical history and the onset of the complex regional pain syndrome (CRPS). Pain 2009; 139:458-466

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