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Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zur Sicherheit von Pool-Thrombozytenkonzentraten (PTK) und Apherese-Thrombozytenkonzentraten (ATK)

Thrombozytenkonzentrate, Konzentrate der für die Blutstillung wichtigen Thrombozyten (Blutzellen), können heute aus den Vollblutspenden von vier bis fünf Spendern hergestellt oder von einem Einzelspender durch maschinelle Zellauftrennung (Apherese) gewonnen werden. Wie bei allen durch das PEI zugelassenen Arzneimitteln wird ihre Sicherheit streng überwacht. Pool-Thrombozytenkonzentrate (PTK) und Apherese-Thrombozytenkonzentrate (ATK) werden weltweit als Behandlungsoptionen betrachtet und eingesetzt. Lediglich die Anteile der zur Behandlung eingesetzten ATK und der PTK variieren in den einzelnen Ländern. Die Verwendung unterschiedlicher Anteile von ATK bzw. PTK ist durch unterschiedliche Versorgungsstrategien und nationale Besonderheiten begründet.

Für das Jahr 2010 wurde dem PEI gemäß § 21 Transfusionsgesetz (TFG) die Herstellung von 547 000 Einheiten Thrombozytenkonzentrate (TK) gemeldet. Davon waren 326 000 (ca. 60%) ATK und 221 000 (ca. 40%) PTK. Von speziellen Anwendungen abgesehen wird der Therapieeffekt von ATK und PTK von der Bundesärztekammer insgesamt als gleichwertig (Querschnittsleitlinien der Bundesärztekammer (BÄK) zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten, 4. Auflage 2008) angesehen.

Einige Medien berichteten, das Risiko, Infektionen durch bekannte oder auch durch noch unbekannte Erreger zu übertragen, sei bei PTK vier- bis fünffach erhöht, da sie aus vier bis fünf Spenden hergestellt werden. Diese Berichte lassen außer Acht, dass für einen Spender nur maximal bis zu sechs Vollblutspenden (aus denen PTK hergestellt werden) pro Jahr erlaubt sind, für eine Spenderin sogar nur vier. Ein unbekannter Erreger kann also maximal vier- bzw. sechsmal pro Jahr von einer infizierten Spenderin bzw. einem infizierten Spender weitergegeben werden. ATK-Spender und Spenderinnen dagegen dürfen bis zu 26mal pro Jahr spenden. Hinzu kommt, dass aus einer Apheresespende oft zwei bis drei ATK gewonnen werden. Rein rechnerisch würde das bedeuten, dass pro Jahr 52 Patienten (oder noch mehr) mit unbekannten Erregern von nur einem Apheresespender infiziert werden könnten.

Komplexe biologische Vorgänge lassen sich aber nicht mit einer einfachen Rechenaufgabe erfassen. Einzubeziehen in einen Vergleich zur Sicherheit von ATK und PTK wären z.B. auch die Spendeabstände. Je kürzer der Abstand zwischen zwei Spenden ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie im sogenannten diagnostischen Fenster eines Tests erfolgen und somit die Infektion unerkannt bleibt. Als diagnostisches Fenster wird der Zeitraum zwischen Infektion und Nachweis des Erregers im Blut bezeichnet. Zwischen zwei Vollblutspenden zur Herstellung von PTK müssen nach den gültigen Richtlinien mindestens acht Wochen liegen; Apheresespenden zur Herstellung von ATK dagegen dürfen an bis zu fünf aufeinanderfolgenden Tagen gewonnen werden. In ein Modell, das die Wahrscheinlichkeit einer Infektionsübertragung durch ATK im Vergleich zu PTK abschätzen soll, müssen also u.a. auch Daten einfließen über die Häufigkeit der Spende, die Spendeabstände, die Verbreitungsmuster von Infektionskrankheiten in Abhängigkeit von deren Inkubationszeiten, die Empfindlichkeit von Tests und deren diagnostisches Fenster.

Dementsprechend zeigen auch die tatsächlich erhobenen Daten in Deutschland kein höheres Risiko von PTK. Zur kontinuierlichen Risikoabschätzung müssen dem PEI gemäß § 63c AMG alle schwerwiegenden Transfusionsreaktionen (wie z.B. die Übertragung von unerkannt im Blut von Spendern vorhandenen Krankheitserregern) unverzüglich gemeldet und bewertet werden (http://www.pei.de/haemovigilanzbericht). Zu dem Risiko transfusionsbedingter Infektionen lassen sich daraus folgende Aussagen ableiten:

  • Transfusionsbedingte virale Infektionen:
    Virusübertragungen kommen nur noch in den sehr seltenen Einzelfällen vor, wenn die hochempfindlichen Tests eine Infektion beim Spender übersehen. Dies kann beispielsweise geschehen, wenn die Infektion noch sehr frisch ist, sodass der Spender sich im diagnostischen Fenster befindet. Zwischen Januar 1997 und Ende 2010 wurden dem PEI insgesamt sieben Fälle transfusionsbedingter viraler Infektionen nach Gabe von Thrombozytenkonzentraten gemeldet (vier Hepatitis-B-Infektionen und drei Hepatitis-C-Infektionen). Insgesamt wurden zwei dieser Fälle durch PTK und fünf Fälle durch ATK verursacht. Nur einer der sieben Fälle (eine Hepatitis-B-Infektion) wurde nach 2004 gemeldet - ein Erfolg von Maßnahmen zur Risikovorsorge durch das Paul-Ehrlich-Institut.
  • Transfusionsbedingte bakterielle Infektionen:
    Von Januar 1997 bis Ende 2010 wurden vom PEI insgesamt 51 Fälle einer transfusionsbedingten bakteriellen Infektion nach Thrombozytenkonzentraten bestätigt. In diesen fast 15 Jahren wurden 26 Fälle von PTK, 25 von ATK verursacht. Die Mehrzahl dieser Übertragungen ereignete sich vor 2008. Nach Einführung zusätzlicher Maßnahmen zur Risikovorsorge im Jahr 2008 wurden bis Ende 2010 ein Fall einer bakteriellen Infektion nach PTK sowie drei Fälle nach ATK berichtet.
  • Risiko einer Übertragung von neu identifizierten Erregern:

    Die Übertragung von neu in Deutschland auftretenden oder auch gänzlich unbekannten Erregern durch Blutkomponenten ist nie mit Sicherheit oder vollständig auszuschließen. Allerdings sprechen, wie oben dargelegt, die vorhandenen Daten und in der Praxis gewonnenen Erfahrungen dagegen, dass in so einem Fall das Risiko einer Übertragung für ATK und PTK als unterschiedlich einzustufen ist.

Aus der Sicht des PEI sind derzeit beide in Deutschland zugelassene Thrombozytenkonzentrate für die Versorgung der Patienten sicher und erforderlich.

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