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'Böses Blut?' - Über den Ausschluss schwuler Männer von der Blutspende

Podiumsdiskussion

Beginn:

Montag, 11.06.2012, 19:00 Uhr

Ort:

LSKH Lesbisch-Schwules Kulturhaus, Klingerstraße 6, Frankfurt am Main

Diskussionsteilnehmer

Prof. Dr. Rainer Seitz, Leiter der Abteilung Hämatologie/Transfusionsmedizin des Paul-Ehrlich-Instituts,
Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Stephan, HIVCENTER des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Klaus Stehling, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Hessen.

Moderation

Kordula Schulz-Asche, Landesvorsitzende der GRÜNEN in Hessen und gesundheitspolitische Sprecherin der GRÜNEN Fraktion im Hessischen Landtag
Kai Klose, Sprecher für Lesben- und Schwulenpolitik der GRÜNEN Fraktion im Hessischen Landtag.

Kernaussagen des Paul-Ehrlich-Instituts zum Ausschluss von MSM von der Blutspende

  • Ein wichtiger Teil der Spenderkriterien, die durch einen Fragebogen abgebildet werden, den jeder Blutspender ( bei jeder Spende) ausfüllen muss, dienen einem übergeordneten Ziel: Personen, bei denen ein Risiko gefährlicher Infektionen besteht, von der Spende auszuschließen, um die Patienten zu schützen, die Bluttransfusionen oder Plasmaprodukte erhalten.
  • Blutspenden werden heute nur noch in seltenen Ausnahmefällen als Vollblutkonserve verwendet. Im Normalfall werden sie in 'feste' Bestandteile (Blutzellen, z.B. rote Blutkörperchen oder Blutplättchen zur Transfusion) und 'flüssige' Bestandteile (Blutplasma) getrennt. Das Plasma kann entweder als Plasma zur Transfusion verarbeitet werden oder mit vielen anderen Plasmaspenden zu großen Pools vereinigt und zur industriellen Herstellung von Produkten wie z.B. Gerinnungsfaktoren für Bluterkranke verwendet werden.
  • Grundsätzlich müssen alle (!) Blutspenden in Deutschland serologisch (Nachweis von Antikörpern) auf HIV, Hepatitis B und C und Syphilis getestet werden. Also auch bei wiederholten Spenden fallen dieses Tests an. Für Blutkomponenten zur Transfusion wurde als zusätzliche Sicherheitsstufe der direkte Virusnachweis auf HIV und HCV eingeführt, die so genannte Nukleinsäureamplifikation, NAT. Plasmapools zur industriellen Weiterverarbeitung werden auf weitere Erreger getestet.
  • Die NAT-Tests bringen inzwischen eine hohe Sicherheit, aber auch sie können ganz frische Infektionen übersehen. In den letzten Jahren sind sechs HIV Übertragungen durch Transfusionen aufgetreten; in allen Fällen hatten sich die Spender durch sexuelles Risikoverhalten infiziert. Bei den letzten beiden Übertragungen, 2007 und 2010, handelte es sich um MSM, die fest überzeugt waren, nicht infiziert zu sein und erst durch die Übertragung von ihrer eigenen Infektion erfuhren. In diesen Fällen hatten die sehr empfindlichen Testsysteme nicht angeschlagen. Daher ist es wichtig, ein ganzes Netz von Maßnahmen zu haben, um Blutspenden sicher zu machen. Also auch zusätzlich zu der Testung die Kriterien, nach denen Spender mit einem erhöhtem Risiko für den Erwerb von Infektionen ausgeschlossen werden.
  • Die Spenderkriterien werden von der beobachteten Häufigkeit der Infektionen, vor allem frischer Ansteckungen, bestimmt. Diese Daten liefert u.a. das Robert Koch-Institut. Ein besonders hohes Risiko haben MSM (ca. zwei Drittel aller HIV-Neuinfektionen), Sexworker und heterosexuelle Personen mit Risikoverhalten (z.B. häufig wechselnde Partner).

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