Kurzdarstellung der Abteilung Virologie
- Aufgaben
- Fachgebiet Virale Impfstoffe
- Fachgebiet Molekulare Virologie
- Fachgebiet Virussicherheit
- Fachgebiet AIDS, Neue und neuartige Erreger
Aufgaben
Eine Vielzahl akuter und chronischer Erkrankungen kann durch virale Infektionen verursacht werden. Das Verständnis der Virus-Wirt-Interaktion sowie der Mechanismen der Virus-assoziierten Pathogenese ist die Grundlage für die Entwicklung rationaler Strategien zur Hemmung der Virus-Replikation sowie zur Verhinderung von Krankheitsbildern, die ursächlich durch die virale Infektion bedingt sind. Daher ist ein Schwerpunkt der Arbeiten der Abteilung Virologie, am Beispiel des Hepatitis-B-Virus (HBV), des Hepatitis-C-Virus (HCV), des Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) und des Influenza-Viruses Mechanismen der Virus-Wirt-Interaktion in vitro und in vivo im Rahmen von Forschungsprojekten zu untersuchen. Vorbeugung ist die effektivste und sicherste Maßnahme zur Bekämpfung von Viruskrankheiten. Diesem Ziel widmet sich die Abteilung Virologie auf zwei Ebenen, dem individuellen Schutz durch Impfung und dem Unterbrechen der Infektionskette durch Erkennen von infizierten Personen sowie von Blutprodukten oder anderen Arzneimitteln, die nicht den Anforderungen an die Virussicherheit genügen. Impfstoffe zur Bekämpfung von Virusinfektionen gehören weltweit zu den wichtigsten biomedizinischen Arzneimitteln.
Die Abteilung Virologie koordiniert die Mehrzahl der Zulassungsverfahren für virale Impfstoffe, insbesondere auf europäischer Ebene, und betreibt Forschung zur Entwicklung von Impfstoffen. Sie befasst sich intensiv mit der wissenschaftlichen Beratung von Arzneimittelherstellern und vertritt das Paul-Ehrlich-Institut in einer Vielzahl von nationalen Kommissionen sowie internationalen Gremien der EU und WHO. Das gleichzeitige Engagement in der virologischen Forschung ermöglicht die Wahrnehmung regulatorischer und beratender Funktionen auf neuestem Stand des Wissens. Die Abteilung untergliedert sich in vier Fachgebiete und eine dem Abteilungsleiter zugeordnete Forschungsgruppe.
Die Abteilung bearbeitet die folgenden Aufgaben:
- Virologische Forschung zur Epidemiologie, Pathogenese und Prävention von Viruskrankheiten (überwiegend durch Drittmittel finanziert)
- Zulassung und Chargenprüfung von Virusimpfstoffen
- Bewertung von virusdiagnostischen Verfahren
- Beurteilung von Virusinaktivierungsverfahren sowie Bewertung der Virussicherheit bei biomedizinischen Arzneimitteln
- Beratung von Antragstellern für klinische Studien, pharmazeutischen Unternehmen und Biotechnologiefirmen zu wissenschaftlichen und regulatorischen Fragestellungen im Fachgebiet Virologie
- Politikberatung zu Fragestellungen im Fachgebiet Virologie
Fachgebiet Virale Impfstoffe
Die Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Impfstoffen wird durch die Zulassung dieser Arzneimittel durch das Paul-Ehrlich-Institut oder die Europäische Kommission sowie durch die Prüfung jeder Produktionscharge durch eine zuständige Behörde der EU-Mitgliedsstaaten gewährleistet. Das Fachgebiet Virale Impfstoffe übernimmt diese wichtige Aufgabe für eine Vielzahl von Impfstoffen gegen saisonale und pandemische Influenza (Grippe), Hepatitis A, Hepatitis B, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Masern, Mumps, Röteln, Gelbfieber, Tollwut, Varizellen (Windpocken), Herpes Zoster (Gürtelrose), Zervixkarzinom und Genitalwarzen (HPV-Infektionen), Rotavirus-Gastroenteritis und Pocken (Variola).
Das Fachgebiet betreibt zudem den Aufbau einer Forschungseinheit zur Charakterisierung der immunisierenden Eigenschaften und molekular-virologischen Herstellung neuartiger Influenzaimpfstoffe.
Fachgebiet Molekulare Virologie
Der Einsatz neuer molekularbiologischer Technologien bietet immer bessere Möglichkeiten bei der Diagnostik von Viruskrankheiten sowie beim Nachweis viraler Kontaminationen in biomedizinischen Arzneimitteln (z.B. bei Blutprodukten). Die Bewertung modernster molekularbiologischer Nachweisverfahren für Viren ist eine Aufgabe des Fachgebiets Molekulare Virologie.
In der Forschung des Fachgebietes werden Nukleinsäuretests auch für Untersuchungen zur Verbreitung von wichtigen Infektionserregern und zum Auftreten neuer Viren eingesetzt (z.B. Hepatitis-Viren und Flaviviren).
Fachgebiet Virussicherheit
Die Sicherheit von Blutprodukten wird nicht nur durch die Auswahl der Blutspenden sondern auch durch spezielle Verfahren im Herstellungssprozess gewährleistet, die möglicherweise vorhandene Viren inaktivieren oder entfernen. Die Bewertung und experimentelle Überprüfung von Virusinaktivierungsverfahren führt das Fachgebiet Virussicherheit durch. Dies beinhaltet die Bewertung der Virussicherheit und TSE-Sicherheit (Prionen) von Humanarzneimitteln und klinischen Prüfmustern aus humanen oder tierischen Ausgangsstoffen sowie Zellkulturen (außer Virusimpfstoffen), die wissenschaftliche Bewertung von Methoden zur Inaktivierung oder Entfernung von Viren bzw. Prionen bei der Herstellung von biologischen (z.B. Blutprodukte) oder biotechnologischen Produkten durch Prüfung von Unterlagen und durch experimentelle Untersuchungen sowie Forschungsarbeiten zur Standardisierung von Testverfahren, zur Auswahl von Modellviren sowie zur Entwicklung neuartiger, verbesserter Nachweissysteme und Inaktivierungsmethoden.
Fachgebiet AIDS, Neue und neuartige Erreger
Das Fachgebiet AIDS, Neue und Neuartige Erreger hat die Aufgabe, einen Beitrag zur Bekämpfung der HIV Infektion und von neu auftretenden Viruskrankheiten zu leisten. Eine große Herausforderung bleibt aber weiterhin die erfolgreiche Prävention und Therapie von HIV-Infektion bzw. AIDS und der Anstieg der Neuinfektionen in Deutschland zeugt von der bleibenden Relevanz dieses Aufgabengebiets.
Das Fachgebiet vertritt das Paul-Ehrlich-Institut in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gremien zur Thematik der HIV-Infektion und der Impfstoffentwicklung gegen AIDS und bearbeitet die Genehmigung klinischer Studien und die Zulassung von HIV Impfstoffen. Forschungsarbeiten unterstützen diese Aufgaben. Es werden Studien zur Evolution von HIV unter anti-retroviraler Therapie sowie zur Entwicklung neuer Therapiekonzepte und Tiermodelle für die Impfstofftestung gegen AIDS durchgeführt.

