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Ergebnis der Befragung: 'Sollen Transfusionsempfänger vom Blutspenden ausgeschlossen werden?'

Hintergrund

Auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Instituts hatten in der Zeit vom 28.09.2007 bis zum 31.12.2007 alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, sich zu einer geplanten Entscheidung des Paul-Ehrlich-Instituts im Hinblick auf die Sicherheit von Blutkomponenten zur Transfusion zu äußern.

Ursprünglich hatte das Paul-Ehrlich-Institut erwogen, Transfusionsempfänger – d.h. Personen, die selbst bereits Bluttransfusionen erhalten haben - von der Blutspende für Blutkomponenten zur Transfusion auszuschließen. Anlass dieser Überlegungen waren Berichte über vier Patienten im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland (VK), die nach Erhalt von Bluttransfusionen an der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankeit (vCJK) erkrankt waren.

Nach intensiven Diskussionen, Expertengesprächen und Studien zu den Vor- und Nachteilen dieser Maßnahme, beabsichtigt das Paul-Ehrlich-Institut nun nicht mehr, diese anzuordnen. Vor Bekanntgabe der endgültigen Entscheidung, sollten jedoch alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit bekommen, sich in die Diskussion einzuschalten.

Eingegangene Stellungnahmen

Über das auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Instituts zur Verfügung gestellte Kontaktformular hat das Institut insgesamt zwölf Stellungnahmen erhalten. In rund 20 Fällen wurde die Kenntnisnahme des Sachverhaltes durch Absenden des leeren Kontaktformulars mitgeteilt. Insgesamt konnte das PEI rund 3000 Aufrufe der Umfrage verzeichnen.

In neun Stellungnahmen sprachen sich die Einsender uneingeschränkt dafür aus, dass Transfusionsempfänger weiterhin Blut spenden können.

In drei Stellungnahmen wurde eine abweichende Ansicht vertreten:

Stellungnahme 1

Eine Kommentatorin wies auf mögliche Probleme mit grenzüberschreitendem Austausch von Blutkomponenten zur Versorgung mit seltenen Blutgruppen hin, wenn der Ausschluss von Transfusionsempfängern in den EU-Mitgliedsstaaten möglicherweise unterschiedlich gehandhabt wird. Zudem fragte die Kommentatorin nach der Haltung von Europäischen Kontrollgremien.

Dazu ist zu bemerken, dass Probleme beim grenzüberschreitenden Austausch bei seltenen Blutgruppen nicht zu erwarten sind, da es sich hier um eine Notfallversorgung ohne Alternative handelt. Bisher ist dem Paul-Ehrlich-Institut aus keinem der Länder, die einen Ausschluss von Transfusionsempfängern eingeführt haben, bekannt geworden, dass Blutkomponenten mit seltenen Blutgruppen aus Ländern ohne einen solchen Ausschluss zurückgewiesen worden wären. Empfehlungen Europäischer Gremien, die im Widerspruch zu der Entscheidung stünden, dass Transfusionsempfänger weiterhin Blut spenden können, gibt es nicht.

Stellungnahme 2

Ein weiterer Kommentator machte den Vorschlag, die ursprünglich beabsichtigte Maßnahme zu modifizieren: Empfänger, die Blutprodukte von bis zu fünf Spendern empfangen haben, sollten zugelassen werden, Empfänger von Massivtransfusionen oder Produkten aus Pools von mehr als 10.000 Spendern sollten für zehn Jahre ausgeschossen werden. Darüber hinaus gab der Einsender noch einige allgemeine Kommentare und Empfehlungen zur Transfusionsmedizin, die keinen direkten Bezug zur beabsichtigten Entscheidung des PEI haben.

Dazu ist zu bemerken, dass eine Festlegung der Grenze für einen Ausschluss von Transfusionsempfängern bei empfangenen Produkten von mehr als fünf Spendern wissenschaftlich schwer begründbar wäre. Sie wäre auch kaum praktikabel, da spendewillige Empfänger von Transfusionen in der Regel nicht wissen dürften, von wie viel verschiedenen Spendern die Produkte stammten.

Stellungnahme 3

Stellungnahme 3 lautete: "Transfusionsempfänger sicherheitshalber ausschließen".

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass sich nur eine von den zwölf eingegangenen Stellungnahmen konkret für die ursprünglich beabsichtigte Maßnahme aussprach, Transfusionsempfänger von der Blutspende für Blutkomponenten zur Transfusion auszuschließen. Eine weitere Stellungnahme machte einen Vorschlag zur Abänderung dieser Maßnahme, der jedoch wissenschaftlich schwierig begründbar und kaum praktikabel wäre.

Dagegen waren neun Stellungnahmen uneingeschränkt zustimmend zu der Auffassung des Paul-Ehrlich-Instituts, dass diese ursprünglich beabsichtigte Maßnahme nicht angeordnet werden soll. Dies kann als Beleg dafür gewertet werden, dass der nach langer und gründlicher Diskussion aller Aspekte mit den Fachkreisen erarbeitete Standpunkt des Paul-Ehrlich-Instituts auch in der allgemeinen Öffentlichkeit Akzeptanz findet.

Es ist sicher ungewöhnlich, dass sich eine Behörde wie das Paul-Ehrlich-Institut mit ihren Absichten in einer fachlich so schwierigen und komplexen Frage an die Öffentlichkeit wendet. Da jedoch an der noch relativ neuen und für viele Menschen unheimlichen Erkrankung vCJK ein großes öffentliches Interesse besteht, war es dem Paul-Ehrlich-Institut wichtig, bei seiner Entscheidung größtmögliche Transparenz herzustellen. Umso erfreulicher ist es daher aus des Sicht des Paul-Ehrlich-Institut, dass die Reaktionen auf die Befragung weniger Befürchtungen, als Verständnis für die dargelegten Argumente ausdrücken.

Das Paul-Ehrlich-Institut dankt allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Instituts informiert haben und besonders denjenigen, die eine Stellungnahme abgegeben haben.

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