Paul-Ehrlich-Institut

Ab­tei­lung Me­di­zi­ni­sche Bio­tech­no­lo­gie

Arzneimittel für neuartige Therapien (Advanced Therapy Medicinal Products, ATMPs) wie Gentherapeutika, somatische Zelltherapeutika, Tissue Engineered Products (TEPs), aber auch onkolytische Viren und humane Gewebezubereitungen (GWZ) begleitet die Abteilung  von der Genehmigung klinischer Prüfungen bis hin zur Zulassung oder Genehmigung des Arzneimittels. Ein Schwerpunkt ist die wissenschaftliche und regulatorische Beratung von Unternehmen, Forschungsgruppen, Gewebeeinrichtungen, Landesbehörden und Politik – denn ATMPs erfordern oftmals angepasste Lösungen. In relevanten Gremien und Arbeitsgruppen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und des Europäischen Direktorats für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Expertinnen und Experten der Abteilung vertreten und gestalten die Regulation der ATMPs entscheidend mit. Sie erstellen und kommentieren regulatorische Leitfäden für die Entwicklung und Prüfung von ATMPs. Die Forschung beschäftigt sich mit grundlegenden Konzepten bei Entwicklung und Prüfung von ATMPs, die für deren Wirksamkeit, aber auch für die Sicherheit relevant sind.

Forschung beim Abteilungsleiter

Die Gruppe erforscht biologische und biotechnologische Grundlagen der Entwicklung von ATMPs. Eine besondere Herausforderung für Entwickler und Regulatoren sind Nebenwirkungen, die den erfolgreichen Einsatz in der klinischen Praxis behindern können. So können therapeutische Gentransfer-Vektoren bei der Integration von Erbgut in Körperzellen ein zelluläres Tumorsuppressor-Gen deaktivieren oder ein Proto-Onkogen aktivieren. Um dieses Risiko zu reduzieren, entwickelt die Forschungsgruppe auf Basis von Transposons – springenden Genen – experimentelle therapeutische Ansätze für den zielgerichteten Gentransfer in sicherere Orte des Erbguts, sogenannte Safe Harbours. Darüber hinaus untersuchen sie die Möglichkeiten, mit Designer-Nukleasen wie CRISPR/Cas zielgerichtet das Genom von Körperzellen zu verändern oder defekte Gene zu reparieren. Diese Ansätze evaluieren die Forschenden in therapeutisch relevanten Zelltypen wie humanen T-Zellen und in adäquaten Tiermodellen. Ziel ist die erfolgreiche Überführung (Translation) von Gentherapien in die Klinik.

Fachgebiet Arzneimittel für neuartige Therapien, Gewebezubereitungen

Das Fachgebiet koordiniert die regulatorischen Arbeiten der Abteilung und bewertet insbesondere alle klinischen Aspekte, aber auch Qualität und nicht-klinische Prüfung von ATMPs und GWZ. Eine Expertin des Fachgebiets ist Vorsitzende des Ausschusses für neuartige Therapien Committee for Advanced Therapies (CAT) bei der EMA, was neben der Gremienarbeit viele flankierende Aktivitäten beinhaltet. Die Bearbeitung regulatorischer Grundsatzfragen, Unterstützung der Leitung sowie Politikberatung gehören ebenfalls zu den Aufgaben des Fachgebiets.

Fachgebiet Nicht virale Gentransfer-Arzneimittel

Das Fachgebiet bewertet die Unterlagen zur Qualität und nicht klinischen Prüfung sowie zum Environmental Risk Assessment (ERA) von Anträgen auf Genehmigung klinischer Prüfungen von Gentherapeutika. Es berät in EMA-Scientific Advices und wissenschaftlichen Beratungsgesprächen des Paul-Ehrlich-Institut (PEI) Antragsteller zu diesen Aspekten und unterstützt zentralisierte Zulassungsverfahren gentherapeutischer Arzneimittel. Das Fachgebiet beteiligt sich mit Fachexperten an GMP-Inspektionen der zuständigen Landesbehörden und vertritt das PEI in Gremien und Arbeitsgruppen der EMA und des EDQM. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen prüfungsbegleitend zur Sicherheit und Effizienz von Gentransfersystemen.

Fachgebiet Tissue Engineering, Somatische Zelltherapeutika

Das Fachgebiet bewertet Anträge auf Genehmigung klinischer Prüfungen und zentraler europäischer Zulassungsverfahren für humane somatische Zelltherapeutika und Tissue-Engineering-Arzneimittel. Es berät in wissenschaftlichen Beratungsgesprächen des PEI bei Fragen zur Qualität und nicht klinischen Prüfung dieser Arzneimittel und beteiligt sich mit Fachexperten an GMP-Inspektionen der Landesbehörden. Das Fachgebiet vertritt das PEI beim CAT und bei Expertengruppen der Zentralstelle der Länder (ZLG) und der WHO.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen zur Sicherheit und Wirksamkeit von zellbasierten Arzneimitteln – insbesondere zur Differenzierung von humanen Stammzellen. Sie beschäftigen sich mit dem Einfluss endogener humaner transponierbarer Elemente auf die Integrität des Genoms und auf physiologische Prozesse in humanen Stammzellen - ausgehend von durch Differenzierung gewonnenen Zelltypen.

Fachgebiet Avitale Gewebezubereitungen, Xenogene Zelltherapeutika

Das Fachgebiet bewertet Genehmigungs- und Zulassungsanträge für humane Gewebezubereitungen (GWZ) sowie xenogene Arzneimittel. Es berät Antragsteller und pharmazeutische Unternehmer in wissenschaftlichen Beratungsgesprächen. Das Fachgebiet beteiligt sich mit Fachexperten an GMP/GFP-Inspektionen der zuständigen Landesbehörden und vertritt das PEI in nationalen Gremien der Länder und internationalen Gremien der EU, EMA, EDQM und der WHO. Zusätzlich ist es zuständig für die Erfassung und Bewertung der Daten zur Meldung nach dem Transplantationsgesetz (TPG) und der Präimplantationsdiagnostikverordnung (PIDV).

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen auf dem Gebiet der Infektionsrisiken der Xenotransplantation – der Transplantation von Tierorganen sowie Tiergeweben und -zellen auf Menschen – durch Charakterisierung der mikrobiologischen und virologischen Risiken. Schwerpunkt ist die Analyse der Pathomechanismen von porcinen endogenen Retroviren (PERV) sowie anderer porciner Erreger genetisch modifizierter Spenderschweine. Die Forschenden erarbeiten Nachweisverfahren und Kontrollmethoden und definieren Prüf- und Testkriterien, um Gewebe, Zellen und Organe von Schweinen für die Xenotransplantation am Menschen anwenden zu können.

Fachgebiet Virale Gentransfer-Arzneimittel

Das Fachgebiet forscht zur CAR-T-Zelltherapie. Im Fokus stehen Untersuchungen zum viralen Gentransfer, aber auch die Etablierung und Standardisierung von Tiermodellen, um CAR-T-Zell-assoziierte Nebenwirkungen vorhersagen und die zugrunde liegenden Pathomechanismen verstehen zu können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen die regulatorischen Aufgaben der Abteilung im Bereich Gentherapie, beispielsweise durch die Teilnahme an Beratungsgesprächen, Vortragstätigkeiten und die Evaluation von Anträgen auf klinische Prüfung.

Aktualisiert: 21.11.2019