Navigation und Service

Beispiele für Aktivitäten des PEI für die Sicherheit von Blut und Blutprodukten

Experimentelle Überprüfung (Chargenprüfung)

Zeitgleich mit dem Übergang der Zuständigkeit auf das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im Jahr 1994 wurde die staatliche Chargenprüfung für Blutprodukte eingeführt. Dabei werden Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit jeder Charge der aus Plasmapools hergestellten Arzneimittel durch umfangreiche Prüfungen im Labor (Ausgangsmaterial und fertiges Arzneimittel) sowie durch eine Prüfung der Herstellungsunterlagen kontrolliert.

Die experimentelle Qualitätsprüfung untersucht unter anderem den Wirkstoffgehalt des Produktes und mit der Sicherheitsprüfung die Abwesenheit schädlicher Verunreinigungen. Hierbei testet das PEI die zur Herstellung verwendeten Plasmapools mit empfindlichen Methoden auf Viren. Dabei werden, neben dem Nachweis von Hepatitis B-Oberflächenantigen und von Antikörpern gegen HIV-1 und -2, die Plasmapools mit Hilfe von direkten Virusnachweisen (NAT) daraufhin überprüft, dass keine Hepatitis C-Viren nachweisbar sind. Wichtig ist auch die Überprüfung daraufhin, dass in einem Gerinnungsfaktorpräparat keine aktivierten Gerinnungsfaktoren und keine fiebererregenden Stoffe enthalten sind, die den Patienten schädigen könnten.

Die Prüfung der Herstellungsunterlagen umfasst auch eine Überprüfung der Plasmaherkunft und der Einhaltung des zugelassenen Herstellungsmodells. Bei der Herkunft des Plasmas wird darauf geachtet, dass nur Plasma aus zugelassenen Spendezentren verwendet wird und dass alle vorgeschriebenen Tests durchgeführt wurden. Die Herkunft des verwendeten Plasmas ist sehr viel transparenter geworden, seit das PEI die Prüfung der Unterlagen durchführt.

Erhöhung der Sicherheit vor Krankheitserregern

Um zu verhindern, dass Arzneimittel aus Blut Infektionskrankheiten übertragen, hat das Paul-Ehrlich-Institut verschiedene Maßnahmen ergriffen. Wichtige Beispiele dafür sind:

  • Einführung des direkten Nachweises von Hepatitis C-Viren (seit 1. April 1999) und HIV-1 (seit 1. Mai 2004) im Blutspendewesen mittels Nukleinsäure­amplifikationstechniken (NAT) als Ergebnis von Stufenplanverfahren. Es dürfen heute nur noch Konzentrate von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), von Blutplättchen (Thrombozyten) und Gefrorenes Frischplasma (GFP) in den Verkehr gebracht werden, wenn mittels des direkten Virusnachweises (NAT) gezeigt wurde, dass kein Hepatitis C-Virus oder HIV-1 mehr gefunden wird.
  • Einführung der Leukozytendepletion für Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentrate zur Verminderung transfusionsbedingter Nebenwirkungen (seit 1.Oktober 2001).
  • Einführung verschiedener Spenderausschluss- und Rückstellungskriterien, um die Übertragung von blutassoziierten Erregern zu verhindern, für die keine Nachweismethoden verfügbar sind (zeitlich begrenzte Ausschlüsse von Reisenden, die aus SARS- oder West-Nil-Virus (WNV)-Endemiegebieten zurückkehren, Ausschluss von Spendern, die sich in Großbritannien möglicherweise mit der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) angesteckt haben).
  • Einführung von zusätzlichen Virusinaktivierungsschritten für Plasmaderivate.
  • Verbesserung von Testsystemen zum Nachweis von Erregern oder zur Überprüfung der Produktqualität.

Zulassung von Blutkomponenten

Das PEI hat nach Übernahme der Zuständigkeit zunächst im Dialog mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften Konzepte für die Zulassung von Blutkomponenten, bestrahlte Blutprodukte und Nabelschnurblut entwickelt, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft und Technik entsprechen. Auf Basis dieser Konzepte konnten die zuvor bestehenden, größtenteils veralteten fiktiven Zulassungen aufgrund so genannter Nachzulassungsanträge sämtlich durch aktuelle Zulassungen abgelöst werden. Die Mitarbeiter des PEI haben Erläuterungen zur Antragstellung auf Zulassung erarbeitet, die über die Homepage des PEI abgerufen werden können. Dies ist einerseits eine Serviceleistung für Antragsteller, ermöglicht es aber auch jedem Besucher der Homepage, sich selbst ein Bild davon zu machen, welche Angaben das PEI für einen Zulassungsantrag benötigt.

Schnelle Bearbeitung von alten und neuen Zulassungsanträgen

Im Jahr 1994 hat das Paul-Ehrlich-Institut die Zuständigkeit für Blutprodukte und damit 4237 so genannte Nachzulassungsanträge und 587 Neuanträge auf Zulassung übernommen. Seitdem kamen jährlich zwischen 80 und 400 Neuanträge hinzu, so dass im PEI der Bestand von Zulassungsverfahren auf über 7000 anstieg.

In der Bearbeitung dieser vielen Anträge lag in den ersten Jahren der Zuständigkeit die Priorität bei der Zulassung neuer Arzneimittel. Das PEI setzte sich zudem erfolgreich dafür ein, veraltete Nachzulassungen aufzugeben und durch neue Zulassungen zu ersetzen, die dem heutigen Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik gerecht werden können. So konnten bei den Blutkomponenten und den Plasmaprodukten bis Ende 2005 alle Nachzulassungsverfahren abgeschlossen werden. Wegen der dynamischen Weiterentwicklung der Technologie gehen stetig weiter Neuzulassungs­anträge ein, aber auch mehrere tausend Änderungsanzeigen pro Jahr zu bereits beschiedenen Zulassungen, die immer innerhalb von drei Monaten bearbeitet werden.

Auf allen Gebieten, die die Zulassung von Blut und Blutprodukten berühren, ist das PEI auch aktiv in der zulassungsbegleitenden Forschung.

Marktbereinigung bei Plasmaprodukten

Das Paul-Ehrlich-Institut hat einige Blutprodukte mit inakzeptabler Qualität und Sicherheit (Nebenwirkungen) vom Markt genommen. Diese Produkte konnte das PEI durch eigene Laboruntersuchungen sowie die Auswertung von Daten aus der Pharmakovigilanz identifizieren.

Das PEI hat maßgeblich bei der Erarbeitung von Leitfäden der Europäischen Arzneimittelagentur mitgewirkt, die durch die Industrie in Form von grundlegenden Verbesserungen im Bereich Herstellung und Prüfung der Präparate und Virusinaktivierung umgesetzt wurden.

Mitarbeit in Gremien

Das PEI arbeitet in verschiedenen WHO Gremien mit und erhielt 2005 die Ernennung als WHO Collaborating Center for Quality Assurance of Blood Products and in vitro Diagnostic Devices. Das Institut ist in verschiedenen nationalen und internationalen Gremien vertreten, die sich mit der Sicherheit von Blut und Arzneimitteln aus Blut beschäftigen. Auf Europäischer Ebene gehören dazu verschiedene Arbeitsgruppen des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP; früher CPMP) der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA (European Medicines Agency), die Europäische Arzneibuchkommission, das Netzwerk der OMCL (Official Medicinal Control Laboratories) und das European Committee on Blood Transfusion (CD-P-TS). Weiterhin gehören dazu Arbeitskreise der Bundesärztekammer, die gemeinsam mit dem PEI die Richtlinien für das Blutspendewesen herausgibt und der vom Bundesministerium für Gesundheit nach §24 des Transfusionsgesetzes eingerichtete Arbeitskreis Blut einschließlich verschiedener Unterarbeitsgruppen.

Das PEI hat wesentlichen Anteil daran, dass die Anforderungen an die Sicherheit und Qualität auch auf EU-Ebene ständig nach dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft und Technik weiterentwickelt werden. So hat der Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA mehrere Leitlinien zur Sicherheit von Blutzubereitungen verabschiedet, in denen die Anregungen des Paul-Ehrlich-Instituts umgesetzt wurden.

Strategieentwicklung

Bis heute ist glücklicherweise noch kein Fall der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) in Deutschland aufgetreten. Die Verantwortlichen haben sich schon früh mit der Frage beschäftigt, wie die Sicherheit von Arzneimitteln aus Blut gewährleisten werden kann, lange bevor sich durch vier im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland (UK) beobachtete Fälle herausstellt hat, dass diese Krankheit durch Blut übertragen werden kann. Im Jahr 2001 erarbeitete im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) eine Arbeitsgruppe unter Vorsitz des Präsidenten des PEI, Prof. Löwer, ein Strategiepapier, das im August 2001 als "Gesamtstrategie Blutversorgung angesichts vCJK" der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Nach Bekanntwerden der Fälle in UK trat die Arbeitsgruppe in leicht veränderter Zusammensetzung unter Federführung von Prof. Seitz erneut zusammen und erarbeitete ein aktualisiertes Strategiepapier.

Forschungsaktivitäten

Neben den genannten Aktivitäten, die sich direkt mit der Zulassung und Überprüfung von Blut und Blutprodukten beschäftigen, engagiert das PEI sich in verschiedenen Forschungsprojekten, u.a.:

  • Prüfmethoden für Blutkomponenten zur Transfusion (gefördert vom BMG)
  • Wechselwirkungen zwischen Gerinnungsfaktoren und Tumorzellen
  • Untersuchungen zur Thrombogenität (Gefahr der Auslösung von Thrombosen) durch bestimmte Gerinnungsfaktorenkonzentrate (Prothrombinkomplex, Immunglobuline)
  • Charakterisierung einer im PEI neu entdeckten Plasmaprotease, die auch in Gerinnungsfaktorenkonzentraten vorkommt
  • Bedeutung der NAT für die Verhinderung von Virusübertragungen durch Blut und Blutprodukte
  • Methoden der Virusinaktivierung und der Entfernung von Viren aus Blut:

    • Hepatitis C-Virus
    • Parvovirus B 19
    • West-Nil-Virus
    • Hepatitis A- und Hepatitis E-Virus
  • Untersuchungen zur Prävalenz und zur Inzidenz von Viren und Virusvarianten:

    • Hepatitis C-Virus
    • Humanes Immundefizienzvirus (HIV)
    • West-Nil-Virus

Listen der in Deutschland zugelassenen Blut- und Blutprodukte

Diese Seite

Zusatzinformationen

Kontakt

WHO-Kooperationszentrum für die Qualitätssicherung von Blutprodukten und In-vitro-Diagnostika

Mehr: Kontakt …

Weitere Informationen

Inventory of Human Xenotransplantation practices

Mehr

Neueste Publikation

WHO Kooperationszentrum: Jahresbericht 2018 (Englisch!)

Mehr