Paul-Ehrlich-Institut

Coronavirus und COVID-19

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Biomedizinische Arzneimittel

Neben der Neu- und Weiterentwicklung von präventiven Impfstoffen gegen COVID-19 forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch weltweit zu verschiedenen Arzneimitteln zur Behandlung von COVID-19. Einige von ihnen wurden bereits zugelassen und zur Behandlung anderer Virusinfektionen erfolgreich eingesetzt. Alle müssen wissenschaftlich hinsichtlich Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit evaluiert werden.

Hier ein Überblick über die verschiedenen Therapeutika:

Antikörper von Genesenen (Rekonvaleszentenplasma und Hyperimmunglobuline)

Die Verabreichung von Serum Genesener oder daraus gereinigter Antikörper gegen SARS-CoV-2 (sogenannte Hyperimmunglobuline) an Erkrankte stellt eine passive Immunisierung dar. Diese Antikörper binden und neutralisieren das Virus und unterstützen dadurch das Immunsystem bei der Infektionsbekämpfung.

COVID-19-Erkrankte bilden spezifisch gegen SARS-CoV-2 gerichtete Antikörper, die sich auch noch nach ihrer Rekonvaleszenz (Genesung) und damit einher gehender SARS-CoV-2-Eliminierung aus dem Körper u.a. in ihrem Blut befinden. Blutplasma von COVID-19-Genesenen, das diese Antikörper enthält, wird daher unter Beachtung der Blutgruppenkompatibilität an COVID-19 schwer erkrankten Personen zur Therapie infundiert. Auch können Antikörper daraus isoliert und konzentriert werden, um spezifische Immunglobuline herzustellen. Diese werden ebenfalls zur COVID-19-Therapie eingesetzt. Voraussetzung für die Plasmaspende ist, dass vormals COVID-19-Erkrankte nachweislich genesen und virusfrei sind sowie ihr Körper spezifische Antikörper in hinreichender Menge gebildet hat.

Um diese Therapie strukturiert zu prüfen und zu entsprechenden zugelassenen Arzneimitteln zu entwickeln, sind klinische Prüfungen zwingend erforderlich.

Mesenchymale Stammzellen

Mesenchymale Stammzellen sind Vorläufer für viele verschiedene Zelltypen im menschlichen Körper. Sie sollen als therapeutisches Arzneimittel nach einer Transplantation in den schwer an COVID-19-Erkrankten anti-entzündlich wirken und so Lungengewebe schützen und beschädigtes Lungengewebe regenerieren. Ihre Herstellung für die Anwendung am Menschen muss in Deutschland immer mit Herstellungserlaubnis unter Guter Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice, GMP) erfolgen.

Immuntherapie mit monoklonalen Antikörpern

Entzündungsreaktionen dämpfende monoklonale Antikörper binden an Oberflächenmoleküle auf Zellen und unterbrechen inter- und intrazelluläre Signalwege, z. B. über den Interleukin-6-Rezeptor. Die im Verlauf von COVID-19 häufig zu verzeichnende überschießende Immunreaktion soll verhindert oder gedämpft werden.

Die Europäische Kommission hat am 07.12.2021 das Anwendungsgebiet des monoklonalen Antikörpers RoActemra (Tocilizumab) zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerem COVID-19 erweitert. Tocilizumab bindet spezifisch an IL-6-Rezeptoren und hemmt die IL-6R-vermittelte Signaltransduktion und damit entzündliche Reaktionen. So wurde bei COVID-19-Patientinnen und -Patienten, die mit einer Dosis Tocilizumab 8 mg/kg intravenös behandelt wurden, bereits am Tag 7 ein Rückgang der CRP-Werte auf Werte innerhalb des Normalbereichs beobachtet.

SARS-CoV-2-(neutralisierende) monoklonale Antikörper

In Deutschland stehen mehrere monoklonale Antikörper und Antikörper-Kombinationen zur Behandlung bzw. Prophylaxe von COVID-19 bereit. Detaillierte Angaben zur Neutralisationsaktivität gegenüber Varianten des SARS-CoV-2 sind den jeweiligen Fachinformationen zu entnehmen.

Zur Behandlung steht die mittlerweile unter dem Namen Ronapreve zugelassene Antikörperkombination Casirivimab/Imdevimab zur Verfügung, die in Deutschland noch nicht über den üblichen Vertriebsweg – über Roche Pharma AG oder über den pharmazeutischen Großhandel – vertrieben, sondern vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) im Rahmen der Medizinischer Bedarf Versorgungssicherstellungsverordnung (MedBVSV) unter dem Namen Regn-CoV2 bereitgestellt wird. Das Arzneimittel Regn-CoV2 entspricht in seiner Zusammensetzung dem seit dem 12.11.2021 in der EU zugelassenen Arzneimittel Ronapreve und sollte entsprechend der im Rahmen der zentralen europäischen Zulassung genehmigten Produktinformation angewandt werden. In-vitro-Neutralisationsassays der monoklonalen Antikörper Ronapreve/REGN-CoV2 (Casirivimab/Imdevimab) zeigen eine deutlich verringerte Neutralisierungsaktivität gegenüber der Omikron-Variante des SARS-CoV-2 und deuten auf eine geringere Wirksamkeit hin.

Seit dem 12.11.2021 ist der monoklonale Antikörper Regkirona (Regdanvimab) der Firma Celltrion in der Europäischen Union zugelassen, aber in Deutschland derzeit nicht verfügbar.

Zur COVID-19-Therapie ist außerdem der monoklonale Antikörper Xevudy (Sotrovimab) der Firma GlaxoSmithKline (GSK) seit dem 17.12.2021 in der Europäischen Union zugelassen und seit Ende Januar 2022 in Deutschland verfügbar.

Mit Evusheld (Tixagevimab und Cilgavimab) steht seit Ende Februar 2022 auch eine monoklonale Antikörperkombination zur Präexpositionsprophylaxe von COVID-19 zur Verfügung. Das Arzneimittel ist seit dem 25. März 2022 in der EU zentral zugelassen und soll entsprechend der im Rahmen der Zulassung genehmigten Produktinformation angewendet werden. Evusheld wird bislang in Deutschland nicht über den üblichen Vertriebsweg – über AstraZeneca AB oder über den pharmazeutischen Großhandel – vertrieben, sondern vom BMG im Rahmen der MedBVSV und in begrenzter Menge zur Anwendung für bestimmte Personengruppen bereitgestellt.

Die monoklonalen Antikörper Evusheld (Tixagevimab und Cilgavimab) behielten in In-vitro-Experimenten die volle bis fast vollständige Neutralisationsaktivität gegen Pseudovirus- und/oder Lebendvirus-SARS-CoV-2-Variantenstämme bei, die alle Spike-Aminosäuresubstitutionen enthalten, die in den besorgniserregenden Varianten Alpha (B.1.1.7), Beta (B.1.351), Gamma (P.1), Delta (B.1.617.2), Delta [+K417N] (AY.1/AY.2) und Omikron (BA.2) identifiziert wurden. Pseudotypisierte virusähnliche Partikel (virus-like particle, VLP), die das Spike-Protein enthalten, und die authentischen SARS-CoV-2-Omikron-Varianten BA.1. (B.1.1.529) sowie Omikron BA.1.1 (B1.1.529 [+R346K]) zeigten hingegen eine reduzierte Neutralisationsempfindlichkeit gegenüber Evusheld (Tixagevimab und Cilgavimab). Eine Präexpositionsprophylaxe mit Evusheld ist kein Ersatz für eine Impfung bei Personen, für die eine COVID-19-Impfung empfohlen wird.

Die Abgabe der Arzneimittel Regn-CoV2 (Ronapreve, s.o., Casirivimab/Imdevimab), Xevudy (Sotrovimab) und Evusheld (Tixagevimab/Cilgavimab), die im Rahmen der MedBVSV zentral beschafft wurden, erfolgt weiterhin über Stern- und Satellitenapotheken, die auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts aufgeführt werden:

RKI - Stern‐ und Satellitenapotheken (beauftragte Stellen nach § 2 Absatz 1 MedBVSV)

Weitere Informationen zu den vom BMG zentral beschafften Arzneimitteln finden Sie hier:

RKI - Allgemeine Hinweise zu COVID-19-Arzneimitteln

Meldungen von Verdachtsfällen zu Nebenwirkungen von monoklonalen Antikörpern gegen SARS-CoV2 sollten über das Meldeformular erfolgen:

Meldeformular - Meldung von Verdachtsfällen zu Nebenwirkungen von monoklonalen Antikörpern gegen SARS-CoV-2

Weiterführende Hinweise zur Behandlung mit den jeweiligen monoklonalen Antikörpern werden von den Fachgesellschaften und STAKOB/COVRIIN erstellt. Die Hinweise sind auf der Website des RKI veröffentlicht:

RKI - COVID-19: Therapiehinweise und Empfehlungen

RKI - COVID-19: Bereitstellung ausgewählter Arzneimittel durch das BMG
Bundesanzeiger – Bekanntmachung der Allgemeinverfügung zum Bezug und zur Anwendung monoklonaler Antikörper und zum Bezug und zur Abgabe antiviraler, oral einzunehmender Arzneimittel gegen COVID-19 (04.01.2022 )
FAQ Impfstoffe und Biomedizinische Arzneimittel - Monoklonale Antikörper

Virostatika

Virostatika hemmen die Aktivität, den Aufbau oder die Vermehrung des Virus im menschlichen Körper (z. B. Protease-Inhibitoren, RNA-Polymerase-Inhibitoren).

Weitere Informationen

Zulassung der monoklonalen Antikörper-Kombination Evusheld (Tixagevimab und Cilgavimab) zur COVID-19-Prophylaxe erteilt
Einsatz monoklonaler Antikörper gegen COVID-19 – Xevudy (Sotrovimab) in Deutschland verfügbar
Reduzierte Wirksamkeit von Ronapreve (Casirivimab/Imdevimab) bei Omikron-Variante
CHMP empfiehlt Zulassung der SARS-CoV-2 neutralisierenden monoklonalen Antikörper Ronapreve (Casirivimab/Imdevimab) und Regkirona (Regdanvimab) gegen COVID-19
EMA beendet Rolling Review für monoklonalen Antikörper-Cocktail Bamlanivimab/Etesevimab nach Rücknahme des Antrags durch Eli Lilly
Einsatz von monoklonalen Antikörpern gegen COVID-19
Monoklonale Antikörper-Kombinationen gegen COVID-19 im Rolling Review
Paul-Ehrlich-Institut genehmigt erste COVID-19-Therapiestudie mit Rekonvaleszentenplasma
RECOVER – Paul-Ehrlich-Institut genehmigt weitere COVID-19-Therapiestudie mit Rekonvaleszentenplasma
Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts zur Gewinnung und Herstellung von COVID-19-Rekonvaleszentenplasma
Therapie gegen COVID-19-Symptome in der Entwicklung - klinische Prüfung von Sarilumab genehmigt

Inhalt des Dossiers

  1. Rolle des Paul-Ehrlich-Instituts
  2. COVID-19-Impfstoffe
  3. Impfnachweis im Sinne des Infektionsschutzgesetzes (IfSG)
  4. FAQ Coronavirus
  5. Biomedizinische Arzneimittel
  6. Sicherheit von COVID-19-Impfstoffen
  7. Forschungs­arbeiten
  8. SARS-CoV-2-Testsysteme