Paul-Ehrlich-Institut

Va­li­dier­ter Test zur ver­glei­chen­den Mes­sung des Haupt­all­er­gens Bet v 1 aus Bir­ken­pol­len ent­wi­ckelt

In einem internationalen Ringversuch unter Federführung des Paul-Ehrlich-Instituts wurden in 13 Laboratorien zwei Testverfahren zur Quantifizierung des Hauptallergens der Birke (Bet v 1) in Allergenprodukten überprüft. Einer der Tests wird ein Etablierungsverfahren als Arzneibuchmethode durchlaufen, sodass es in absehbarer Zeit möglich werden wird, den Allergengehalt von Allergen­produkten aus Birkenpollen zwischen verschiedenen Herstellern direkt zu vergleichen.

Keine andere Pflanze ist in Europa für eine stärkere Pollenbelastung verantwortlich als die Birke (1). Insbesondere in Nord- und Mitteleuropa stellt die Birkenpollenallergie ein großes Gesundheitsproblem dar. Studien zufolge ist in Deutschland jeder Sechste gegen Allergene aus Birkenpollen sensibilisiert (2). Mit Hilfe der sogenannten Hyposensibilisierung, auch als spezifische Immuntherapie bezeichnet, werden die überschießenden Immunreaktionen der Allergiker behandelt. Dazu werden natürliche Allergenextrakte aus Pollen verwendet, die allergieauslösende und nicht allergene Bestandteile in veränderlichen Anteilen enthalten können. Die Allergenextrakte werden in steigender Dosis entweder unter die Haut gespritzt (subkutan) oder über Tropfen oder Schmelztabletten zugeführt. Eine Reihe von zugelassenen Allergenprodukten steht hierfür zur Verfügung. Obwohl europäische Richtlinien zu Qualität und klinischer Entwicklung von Produkten für die Hyposensibili­sierung vorhanden sind, ist bisher der direkte Vergleich von Allergenextrakten im Hinblick auf den Allergengehalt und die biologische Aktivität nicht möglich (3). Dies liegt u.a. an unterschiedlichen analytischen Methoden der Hersteller und firmeneigenen Maßeinheiten für die biologische Aktivität des Allergenextraktes.

Prinzip des ELISA-Tests zur Messung des Birkenpollen-Hauptallergens Bet v 1. Über die Bindung an zwei Antikörper und eine nachfolgende Farbreaktion lässt sich die Menge an Bet v 1 bestimmen. Prinzip des ELISA-Tests zur Messung des Birkenpollen-Hauptallergens Bet v 1. Über die Bindung an zwei Antikörper und eine nachfolgende Farbreaktion lässt sich die Menge an Bet v 1 bestimmen. Quelle: PEI

Um in Zukunft einen Vergleich für das Hauptallergen des Birkenpollens (Bet v 1) zu ermöglichen, wurden zwei enzymgekoppelte Immunadsorptionstests (ELISA, Enzym-Linked Immunosorbent Assay) in einem sogenannten Ringversuch in 13 Laboratorien in Europa und den USA getestet. Dabei wurde überprüft, ob die Tests in verschiedenen Laboratorien reproduzierbar zu den gleichen Testergebnissen führen. Für die Bestimmung der Werte in Proben sind entsprechende Referenzmaterialien mit bekanntem Bet v 1-Gehalt erforderlich. Hierfür wurde rekombinant hergestelltes Bet v 1 eingesetzt, dessen Entwicklung zu einem Referenzmaterial des European Directorate for the Quality of Medicines and HealthCare (EDQM CRS) ebenfalls unter Federführung der Experten der Abteilung Allergologie des Paul-Ehrlich-Instituts erfolgt war (4).

Über die Validierung der beiden Tests berichtet Allergy ausführlich in seiner Online-Ausgabe vom 28.03.2016. Aufgrund der Ergebnisse des Ringversuches und zusätzlicher praxisnaher Untersuchungen an Allergenprodukten wurde ein Test ausgewählt und der Europäischen Arzneibuch­kommission als Kandidat für eine Arzneibuchmethode vorgeschlagen. Als etablierte Arzneibuchmethode wird der Test europaweit bei der Herstellung von Allergenprodukten aus Birkenpollen durchzuführen sein. "Wir begrüßen die Entwicklung und internationale Validierung dieser Testmethoden, denn so lassen sich die Allergenmengen in den Produkten direkt vergleichen und in Beziehung setzen zu der beobachteten Wirksamkeit in klinischen Prüfungen. Zudem könnte es in Zukunft Patienten den Wechsel zwischen Allergenprodukten verschiedener Hersteller erleichtern", sagt Prof. Stefan Vieths, Leiter der Abteilung Allergologie des Paul-Ehrlich-Instituts und Vizepräsident des Paul-Ehrlich-Instituts.

Originalpublikation

Kaul S, Zimmer J, Dehus O, Costanzo A, Daas A, Buchheit KH, Asturias JA, Barber D, Carnés J, Chapman M, Dayan-Kenigsberg J, Döring S, Führer F, Hanschmann KM, Holzhauser T, Ledesma A, Moingeon P, Nony E, Pini C, Plunkett G, Reese G, Sandberg E, Sander I, Strecker D, Valerio C, van Ree R, Vieths S (2016): Standardization of allergen products: 3. validation of candidate european pharmacopoeia standard methods for quantification of major birch allergen Bet v 1.
Allergy Mar 28 [Epub ahead of print].
Online-Abstract
DOI: 10.1111/all.12898

Referenzen

  1. Smith M et al.: Geographic and temporal variations in pollen exposure across Europe. Allergy 2014;69:913-923

  2. Bousquet PJ et al.: Geographical variation in the prevalence of positive skin tests to environmental aeroallergens in the European Community Respiratory Health Survey I. Allergy 2007;62:301-309

  3. Zimmer J et al.: Standardization and Regulation of Allergen Products in the European Union. Curr Allergy Asthma Rep 2016;16:21

  4. Himly M et al.: Standardization of allergen products: 1. Detailed characterization of GMP-produced recombinant Bet v 1.0101 as biological reference preparation. Allergy 2009;64:1038-1045

Aktualisiert: 30.03.2016