Paul-Ehrlich-Institut

Preisträger des Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preises 2020 präsentiert seine Forschung

05 / 2020

Prof. Shimon Sakaguchi erhält den mit 120.000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2020 für die Entdeckung der regulatorischen T-Zellen. Diese Zellen werden wegen ihrer Funktion für das Immunsystem auch "Blauhelme des Immunsystems" genannt. Sie helfen, dass unser Immunsystem erkennt, was fremd ist und was körpereigenes Gewebe ist, und bei Immunreaktionen die richtige Entscheidung trifft. Der japanische Immunologe diskutierte seine bahnbrechenden Erkenntnisse mit interessierten Forscherinnen und Forschern des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI).

v.l.n.r.: Prof. Dr. Shimon Sakaguchi, Prof. Dr. Klaus Cichutek  (Quelle: B.Morgenroth / Paul-Ehrlich-Institut) v.l.n.r.: Prof. Dr. Shimon Sakaguchi, Prof. Dr. Klaus Cichutek

In guter Tradition folgte auch in diesem Jahr der Preisträger der Einladung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und stellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des PEI seine prämierten Forschungsergebnisse vor. Aufgrund der aktuellen Situation bedingt durch SARS-CoV-2 fand die Veranstaltung im diesem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

In der Forschung braucht man Ausdauer – auch Sakaguchi musste sie aufbringen. Der Wissenschaftler an der Osaka-Universität in Japan forscht schon seit vielen Jahren an Immunzellen. Schon früh richtete er seinen Fokus auf die regulatorischen T-Zellen und ihre Bedeutung für die Immuntoleranz. Während bei den meisten Expertinnen und Experten die Meinung vorherrschte, dass die Toleranz gegenüber eigenen Zellen ausschließlich im Thymus, einer Drüse des lymphatischen Systems, vermittelt wird, erkannte Sakaguchi, dass hier auch den regulatorischen T-Zellen eine Rolle zukommt: Diese Zellen helfen dem Immunsystem dabei, im Gleichgewicht zu bleiben und zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Fehler bei dieser Unterscheidung können zu schwerwiegenden Krankheiten führen, beispielsweise Krebs oder Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder multiple Sklerose. Die regulatorischen T-Zellen sind daher geeignete Ansatzpunkte für die Entwicklung von Therapien zur Behandlung von Störungen des Immunsystems.

"Die Aufklärung der Mechanismen, die zu falschen Entscheidungen des Immunsystems führen, sind essenziell, um Ansatzpunkte für die Therapie sowohl von Krankheiten zu finden, bei denen entweder das körpereigene Abwehrsystem nicht aktiv wird, wie bei der Entstehung von Tumoren, oder fälschlicherweise aktiv ist, wie bei Autoimmunkrankheiten", sagte Prof. Klaus Cichutek, Präsident des PEI.

Am Ende hat sich Sakaguchis Ausdauer als Wissenschaftler gelohnt: Der Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen der Medizin. Nicht selten wird dem Preisträger später der Nobelpreis verliehen.

Aktualisiert: 13.03.2020