Paul-Ehrlich-Institut

FAQ - Häu­fig ge­stell­te Fra­gen

Blut und Blutprodukte

Wer legt die Regeln für den Ausschluss von der Blutspende fest?

Die Ein- und Ausschlusskriterien für Menschen, die in Deutschland Blut spenden wollen, werden in der Richtlinienkommission der Bundesärztekammer (BÄK) festgelegt, in der Spendewillige, Blutspendedienste, anwendende Ärztinnen und Ärzte, Patientinnen und Patienten sowie Behörden (u.a. das Paul-Ehrlich-Institut) vertreten sind. Das oberste Gebot der BÄK-Richtlinienkommission ist die Sicherheit der Empfänger von Blut und Blutprodukten, der sich alles andere unterordnen muss.

Die einzelnen Festlegungen der Richtlinienkommission beruhen auf unterschiedlichen epidemiologischen Erkenntnissen des Robert Koch-Instituts (RKI) und den daraus abgeleiteten Risikoannahmen.

Die Hämotherapie-Richtlinie – die von der deutschen Bundesärztekammer im Benehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut herausgegebene Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und deren Anwendung – bildet ab, worauf sich alle Interessensvertretungen in der Richtlinienkommission auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse einigten.

Weitere Informationen

Richtlinie Hämotherapie, Kapitel 2.2.4 „Auswahl des Spenders“ und 2.2.5 „Untersuchung des Spenders“

Wer darf Blut spenden und wer nicht?

Menschen, die auf Arzneimittel aus Blut angewiesen sind, fordern zu Recht, dass alles nur Menschenmögliche getan wird, damit diese Arzneimittel sicher sind und kein Gesundheitsrisiko bergen.

Nur ein dicht gewebtes Netz aus verschiedenen Maßnahmen kann die Sicherheit von Blutprodukten gewährleisten. Dazu gehören Tests auf Infektionserreger wie z.B. HIV, Hepatitis B und C, Syphilis und Malaria genauso wie der Ausschluss bestimmter Personengruppen von der Blutspende – entweder für einen gewissen Zeitraum oder auch dauerhaft.

  • Personen, die sich zwischen 1980 und 1996 kumulativ ein Jahr in Großbritannien (einschließlich Nordirland) aufgehalten haben oder dort operiert worden sind, werden wegen der Gefahr der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit lebenslang von der Spende ausgeschlossen.
  • Menschen, die Xenotransplantate oder Frischzellen tierischen Ursprungs erhalten haben.
  • Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten (zum Teil auch zu deren eigenem Schutz).
  • Personen, die Drogen konsumieren oder Medikamente missbräuchlich nehmen.
  • In der 2017 aktualisierten Fassung der Hämotherapierichtlinie wurde festgelegt, dass der lebenslange Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben, von lebenslang auf 12 Monate reduziert wird. So können Männer, die beispielsweise nur für eine gewisse Zeit oder auch nur einmalig homosexuelle Erfahrungen gemacht haben, nach 12 Monaten wieder Blut spenden.

Für ein Höchstmaß an Sicherheit von Blut und Blutprodukten muss in Kauf genommen werden, dass möglicherweise einige Menschen ungerechtfertigt pauschal von der Blutspende ausgeschlossen werden.

Erläuterungen

Auch wenn die jährlichen Berichte des Robert Koch-Instituts seit 2013 einen Rückgang bei der Zahl der Neuinfektionen in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben zeigt, sind in dieser Gruppe in Deutschland nach wie vor jedes Jahr sowohl die höchste Zahl an Infektionen insgesamt als auch die höchste Zahl an Neuinfektionen mit HIV zu verzeichnen. Gleichzeitig macht diese Gruppe aber nur ca. 5 % der Bevölkerung aus. Die Gefahr sich zu infizieren ist innerhalb dieser Gruppe faktisch also besonders hoch.

Aktualisiert: 29.09.2020