Paul-Ehrlich-Institut

FAQ - Häu­fig ge­stell­te Fra­gen

Impfen und Impfstoffe

Ich habe Fragen zur Impfung gegen Masern. Wo bekomme ich Antworten?

Das Masernschutzgesetz gilt seit dem 1. März 2020. Das "Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention" soll insbesondere Kinder besser vor Masern schützen. Ausführliche Informationen zur Impfung gegen Masern wurden gemeinsam vom Bundesgesundheitsministerium, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dem Robert Koch-Institut und dem Paul-Ehrlich-Institut erarbeitet. Dort finden sich Antworten zur Impfstoffzusammensetzung, zur Frage warum ein Mehrkomponentenimpfstoff verimpft werden soll etc.

Warum werden zur Herstellung einiger Impfstoffe Zellkulturen aus humanem fetalen Gewebe eingesetzt?

Da Viren immer eine lebende Zelle benötigen, um sich zu vermehren, ist eine tierische oder menschliche Zellkultur (Zell-Linie) notwendig, um Impfviren zu produzieren. Je nach Virustyp haben sich dafür verschiedene Zelltypen oder Zell Linien als besonders geeignet erwiesen. Bei Influenza-Impfstoffen sind dies z.B. bisher primär embryonierte Hühnereier, Masernviren und Mumpsviren werden auf Hühnerfibroblasten vermehrt, Rötelnviren und Windpockenviren auf humanen diploiden Zellen (MRC-5).

Für die Impfstoffproduktion der in Deutschland verkehrsfähigen Impfstoffe gibt es derzeit zwei Zellinien aus menschlichem Lungengewebe. Der Wissenschaftler L. Hayflick entwickelte 1961 die Zell Linie WI-38, der Wissenschaftler J. P. Jacobs entwickelte 1966 die Zell Linie MRC-5 (Medical Research Council). Diese Zell Linien werden auch als humane diploide Zellen (HDC) bezeichnet.

Der Begriff "Zell Linie" bedeutet, dass diese Linie einmalig angelegt wurde und seitdem kontinuierlich vermehrt und eingefroren wird. Die Zellen werden in Kultur gehalten. Es werden nicht, wie häufig zu lesen, immer wieder neue Föten benötigt. Die Föten wurden nicht abgetrieben, um als Ausgangsmaterial für die Etablierung von Zellkulturen zu dienen.

Wer sollte sich gegen Pneumokokken impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission hat ihre Empfehlungen bezüglich der Pneumokokken-Impfung während der aktuellen Pandemie angepasst. Seniorinnen und Senioren ab 70 Jahren sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wurden dazu aufgerufen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen, da Menschen der genannten Altersgruppe ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bei einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 haben. Außerdem sollen Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von zwei Jahren geimpft werden.

Sind Pneumokkokken-Impfstoffe verfügbar oder gibt es hier Lieferengpässe?

Die Nachfrage nach Pneumokokken-Impfstoffen für das Jahr 2020 ist durch die Corona-Krise gestiegen, da sich viel mehr Menschen impfen lassen als im Verlaufe eines durchschnittlichen Jahres. Das Paul-Ehrlich-Institut hat durch zahlreiche Maßnahmen die Versorgungssituation verbessert. Die aktuelle Situation finden Sie in unserem Überblick über Lieferengpässe.

Darf man sich bei einer Allergie gegen Hühnereiweiß impfen lassen?

Die meisten Impfstoffe, beispielsweise Einzelimpfstoffe gegen Hepatitis A und B sowie Kombinationsimpfstoffe zur Grundimmunisierung von Säuglingen und Kleinkindern (gegen Diphterie, Pertussis, Tetanus, Hepatitis B, Polio, Haemophilus influenzae Typ B), enthalten kein Hühnereiweiß und sind daher unproblematisch für Menschen mit Hühnereiweißallergie.

Impfstoffe gegen MMR (Masern, Mumps, Röteln), MMRV (Masern, Mumps, Röteln, Varizellen (Windpocken)), Gelbfieber, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sowie gegen die Virusgrippe (Influenza) können Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Bitte wenden Sie sich als Hühnereiweißallergiker an Ihren behandelnden Arzt, der vor einer Impfung eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung für Sie vornimmt und bei einer Impfung Vorsorgemaßnahmen treffen kann (beispielsweise Nachbeobachtung des Geimpften in der ärztlichen Praxis).

Auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts (RKI) finden Sie weitere Informationen zur Frage, was bei der Impfung von Personen mit einer Hühnereiweiß-Allergie zu beachten ist.

RKI: Kann bei bestehender Hühnereiweissallergie geimpft werden?

Wo kann ich mich über die Zusammensetzung von Impfstoffen informieren?

Das Paul-Ehrlich-Institut bietet auf seinen Internetseiten viele Informationen zum Thema Impfen an, u.a. eine Liste aller in Deutschland zugelassenen Impfstoffe unter www.pei.de/impfen.

In der jeweils letzten Tabellenspalte bieten wir Links zu den Seiten, auf denen die so genannten Fach- und Gebrauchsinformationen verlinkt sind. Diese enthalten alle Informationen u.a. zu Anwendung, Gegenanzeigen und Zusammensetzung der Impfstoffe.

Was ist der Unterschied zwischen einer Fach- und einer Gebrauchsinformation?

Die Gebrauchsinformation liegt den Arzneimittelpackungen bei und wird auch als Packungsbeilage bezeichnet. Sie enthält die für Patienten wichtigsten Informationen.

Die Fachinformation richtet sich spezifisch an Ärzte und ist ausführlicher. Die Links zu den Fachinformationen finden Sie auf unserer Impfstoff-Liste in der letzten Tabellenspalte unter www.pei.de/impfen.

Enthalten Impfstoffe Aluminium?

Kein Impfstoff enthält reines Aluminium, sondern bestimmte Impfstoffe enthalten Aluminiumverbindungen als Wirkverstärker (Adjuvans).

Abgeschwächte Lebendimpfstoffe benötigen keinen Wirkverstärker. Dazu gehören zum Beispiel die Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizellen).

Inaktivierte Impfstoffe hingegen, wie zum Beispiel Impfstoffe gegen Keuchhusten, FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), Meningokokken oder auch Tetanus- und Diphtherie-Impfstoffe, enthalten Aluminiumverbindungen als Wirkverstärker. Dieser ist nötig, weil solche Impfstoffe nur abgetötete Erreger oder Teile davon enthalten, die das Immunsystem ohne Wirkverstärker nicht ausreichend stimulieren. Hier hilft der Wirkverstärker dem Immunsystem, einen wirksamen Immunschutz aufzubauen.

Der Gehalt an Aluminiumverbindungen aller in Deutschland und Europa zugelassenen Impfstoffe liegt deutlich unter dem erlaubten Grenzwert, der im Europäischen Arzneibuch vorgegeben ist.

Jeder Mensch nimmt tagtäglich Aluminium in gebundener Form über die Luft, das Trinkwasser und die Nahrung auf. Die zusätzliche Aufnahme von Aluminiumverbindungen über Impfungen im Leben eines Menschen ist im Vergleich dazu minimal.

Enthalten Impfstoffe Quecksilber?

Heutige in Deutschland zugelassene Impfstoffe sind thiomersalfrei, d.h. frei von Quecksilberverbindungen, und werden als Fertigspritzen geliefert. Eine Ausnahme bilden lediglich pandemische und präpandemische inaktivierte Influenza-Impfstoffe in Mehrdosenbehältnissen. Letztere können Thiomersal, eine organische Quecksilberverbindung, als Konservierungsmittel enthalten.

Der Impfstoff wurde nicht wie vorgeschrieben gelagert. Kann ich ihn trotzdem benutzen bzw. kann ich damit noch geimpft werden?

Die Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit eines Impfstoffes ist nur dann gewährleistet, wenn der Impfstoff vorschriftsmäßig gelagert wurde. Die jeweilige Fach- bzw. Gebrauchsinformation (Packungsbeilage) informiert über die erforderlichen Lagerbedingungen, die durch umfassende Studien belegt sind.

Die Links zu den Fachinformationen finden Sie auf unserer Impfstoff-Liste in der letzten Tabellenspalte unter www.pei.de/impfen.

Warum gibt es einen 3-fach- und einen 4-fach-Impfstoff gegen Influenza?

Über viele Jahre waren trivalente (3-fach-) Influenza-Impfstoffe üblich. Sie enthielten Erregerbestandteile (Komponenten) von je zwei Virusstämmen vom Typ A sowie von einem Virusstamm vom Typ B. Seit 2016 gibt es auch tetravalente (quadrivalente oder 4-fach-) Impfstoffe. Sie enthalten zusätzlich einen weiteren Virusstamm vom Typ B. Damit kann ein breiterer Schutz gegen zirkulierende Grippeviren geboten werden.

Ab der Saison 2018/2019 gilt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für tetravalente Impfstoffe.

Hintergrund: In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass in der Grippesaison immer häufiger beide Linien des B-Stamms zirkulierten.

Daher empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Stammzusammensetzung von Influenza-Impfstoffen zwei Stämme vom A-Typ und zwei Stämme vom B-Typ.

Wie sicher sind Impfstoffe?

Bevor ein Impfstoff auf den Markt kommt, muss er ein umfassendes Zulassungs­verfahren durchlaufen, entweder in Deutschland (nationale Zulassung) oder bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA (zentrale Zulassung durch die EU-Kommission).

Dabei werden Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe gründlich untersucht und bewertet. Eine positive Nutzen-Risiko-Bewertung ist Voraussetzung, dass ein Impfstoff zugelassen wird.

Auch danach wird der Impfstoff regelmäßig staatlich geprüft. Bevor eine neu produzierte Impfstoffcharge in Deutschland auf den Markt kommen darf, muss eine Chargenfreigabe durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nach seiner unabhängigen Chargenprüfung freigeben worden sein.

Meist gehört dazu auch eine experimentelle Prüfung im Labor. Das Paul-Ehrlich-Institut gehört zu den "Offiziellen Medizinischen Kontrolllaboren" (Official Medicines Control Laboratory, OMCL), die das in Europa übernehmen.

Von der Zulassung von Impfstoffen zur Empfehlung durch die Ständige Impfkommission in Deutschland : Kriterien zur objektiven Bewertung von Nutzen und Risiken Prüfung von Impfstoffen : Die Herausforderung der Prüfung komplexer Kombinationsimpfstoffe

Wie kann ich sicher sein, dass der Impfstoff, den ich bekomme, eine wirksame Komponente enthält?

Impfstoffe unterliegen der staatlichen Chargenprüfungspflicht. Nach der In-Haus-Kontrolle beim Hersteller untersucht auch das PEI oder ein anerkanntes amtliches Untersuchungslabor zur Untersuchung und unabhängigen Qualitätskontrolle von Arzneimitteln aus einem anderen europäischen Staat Prüfmuster der Impfstoffchargen experimentell. Das PEI würde Impfstoffe ohne Antigenkomponente, d.h. ohne Wirkstoff (wie beispielsweise die chinesischen Tollwut-Impfstoffe, über die die Medien berichten), dabei entdecken. Patientinnen und Patienten in Deutschland und der EU können sich darauf verlassen, dass die in Deutschland und der EU verabreichten Impfstoffe wirksam und sicher sind.

Aktualisiert: 03.08.2020