Paul-Ehrlich-Institut

SARS-CoV-2: Wie sicher sind Blut, Blutprodukte und Stammzellzubereitungen?

Aufgrund der Erfahrungen mit anderen Coronavirus-Infektionen (SARS und MERS) und weiteren Viren, die zu Atemwegsinfektionen führen, ist die Gefahr einer transfusionsbedingten Übertragung des SARS-CoV-2 nach bisherigem Erkenntnisstand als unbegründet anzusehen. Eine Untersuchung an infizierten Personen mit und ohne Symptome bestätigt diese Einschätzung. Gleichzeitig besteht bei weiterer Ausbreitung von SARS-CoV-2 das Risiko einer Verknappung mit Blutkomponenten, sofern nicht weiterhin ausreichend Blut gespendet wird.

In der Hämotherapie-Richtlinie, die die Spenderauswahlkriterien festlegt, sind routinemäßig die Messung der Körpertemperatur und eine infektionsbezogene Befragung der spendewilligen Personen zum Ausschluss fieberhaft Erkrankter von der Blutspende vorgeschrieben. Daher werden Personen mit Infektsymptomen, selbst wenn diese geringfügig sind, grundsätzlich von der Blutspende zurückgestellt.

Aufgrund der aktuellen Situation weltweit hebt das Paul-Ehrlich-Institut die Empfehlung vom 10.02.2020 auf, speziell Reiserückkehrer aus China von der Blut-, Plasma- oder Stammzellspende zurückzustellen. Die bereits geltenden Rückstellfristen wegen anderer Infektionserreger wie Malaria, Chikungunya, WNV (West-Nil-Virus) bleiben uneingeschränkt erhalten. Zudem werden die zu diesem Zeitpunkt empfohlenen Rückstellfristen in Bezug auf SARS-CoV-2 an die jetzt vorliegenden Erkenntnisse angepasst. Das bedeutet, dass spendewillige Personen entsprechend den Vorgaben der Hämotherapierichtlinie zu ihrem eigenen Schutz für mindestens 4 Wochen nach völliger Genesung von der Spende zurückgestellt werden.

Personen mit einem gesicherten Kontakt zu SARS-CoV-2-Infizierten sowie zu COVID-19-Erkrankten werden für mindestens 2 Wochen nach dem letzten Kontakt von der Spende zurückgestellt. Diese Empfehlung steht in Übereinstimmung mit den Empfehlungen des ECDC zur Spenderauswahl sowie mit denen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur häuslichen Quarantäne nach Kontakt mit einem COVID-19-Patienten. Ausnahmen für medizinisches Personal können unter der Verantwortung von Spendeärztinnen und Spendeärzte getroffen werden. Die genannten Spenderauswahlkriterien stellen sicher, dass weiterhin Blut-, Plasma und Stammzellprodukte von hoher Qualität gewonnen werden können.

Um eine Versorgung mit einer ausreichenden Menge an Blutkomponenten auch während der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie zu ermöglichen, weist das Paul-Ehrlich-Institut ausdrücklich darauf hin, dass spendewillige Personen, die keinen Kontakt zu SARS-CoV-2-Infizierten hatten und keine grippeähnlichen Symptome aufweisen (Fieber, Husten, Atembeschwerden), weiterhin Blut spenden sollen.

Im Rahmen seiner Zuständigkeit steht das Paul-Ehrlich-Institut den Landesbehörden bei Fragen zur Sicherheit wie auch zur Sicherstellung der Versorgung mit Blut-, Plasma und Stammzellprodukten zur Verfügung.

Das Paul-Ehrlich-Institut wird die Blutspendeeinrichtungen sowie die Öffentlichkeit zeitnah informieren, sobald neue Erkenntnisse hinsichtlich der SARS-CoV-2-Endemie und der Blutsicherheit vorliegen.

Aktualisiert: 03.04.2020