Paul-Ehrlich-Institut

Welche Impfstoffkonzepte werden bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 verfolgt?

Es werden weltweit mehr als 80 Projekte (WHO/Stand 23.04.20) zur Impfstoffentwicklung gegen COVID-19 verfolgt, die auf ganz unterschiedlichen Ansätzen beruhen. Dabei werden die Erfahrungen bei der Forschung und Entwicklung eines Impfstoffs gegen die seit Jahren bekannten MERS- und SARS-Coronaviren genutzt. Zu den vielversprechendsten Kandidaten gehören neuartige mRNA-, DNA- und Vektor-Impfstoffe (messenger oder Boten-Ribonukleinsäure bzw. Desoxyribonukleinsäure), aber auch andere Impfstofftypen sind im Rennen.

mRNA-/DNA- oder Vektor-Impfstoffe enthalten Teile des Erbmaterials der Viren, die Baupläne für das Oberflächenprotein des Coronavirus-2 oder einem Teil davon umfassen. Nachdem diese genetische Information durch die Impfung in einige wenige Körperzellen des Geimpften gelangt sind, werden sie (wie auch die genetische Information des Menschen) in den Zellen abgelesen und die entsprechenden Oberflächenstrukturen (Proteine) des Virus werden hergestellt. Das Immunsystem reagiert auf diese gebildeten Proteine und bildet Abwehrstoffe (u.a. Antikörper) dagegen. Bei einem späteren Kontakt der geimpften Person mit dem SARS-CoV-2-Erreger erkennt das Immunsystem die Oberflächenstruktur und kann das Virus gezielt abwehren und bekämpfen.

mRNA-/DNA- und Vektorimpfstoffe unterscheiden sich in der Art der genetischen Information und in der Art, wie diese genetische Information in die Zellen gelangt: Bei Vektorimpfstoffen wird das Genmaterial in harmlose Trägerviren eingebaut, die als Impfstoff injiziert werden. Bei den Trägerviren kann es sich zum Beispiel um abgeschwächte Impfviren wie das Impfmasernvirus handeln. Mit dem Impfvirus wird so die genetische Information des Coronavirus in die Zellen des Geimpften geschleust. Vektor-Impfstoffe gegen das Dengue-Fieber oder Ebola sind bereits zugelassen. mRNA-/DNA-Impfstoffe benötigen für die Impfung keinen Vektor, das heißt kein Trägervirus, sondern flüssige Nanopartikel (Fetttröpfchen), sodass sie in einige Körperzellen gelangen können. Bei einigen DNA-Impfstoffen wird auch eine kurze Elektroporation angeschlossen. mRNA-/DNA-Impfstoffe wurden für die Anwendung am Menschen bisher noch nicht bis zur Zulassung entwickelt.

Es gibt noch weitere Impfstoffkonzepte wie zum Beispiel gentechnisch oder synthetisch hergestellte ungefährliche Erregerbestandteile (Subunit-Impfstoffe, Peptid-Impfstoffe) oder auch Totimpfstoff aus inaktiviertem Ganzvirus, die im Einzelnen hier nicht vorgestellt werden können. Derzeit führen bereits einige Hersteller klinische Prüfungen (Erprobung am Menschen) in einer frühen Phase mit unterschiedlichen Impfstoffkandidaten durch. Das Paul-Ehrlich-Institut hat am 20.04.2020 die erste klinische Prüfung mit einem präventiven spezifischen mRNA-Impfstoff gegen COVID-19 in Deutschland genehmigt.

Aktualisiert: 03.04.2020